Wieviel Netz braucht die Hernie?

Wieviel Netz braucht die Hernie?

Betrachtet man die aktuelle Literatur und Leitlinien der Hernienchirurgie vermittelt sich der Eindruck,
dass eine Reparation von Hernien nur unter Zuhilfenahme von nicht-resorbierbaren Kunststoffnetzen erfolgen kann.
Aber ist dies wirklich so? Braucht jede Hernie eine Netzverstärkung?

„Hernie ist nicht gleich Hernie“

Bereits in den Neunziger Jahren wurden Risikofaktoren für ein Wiederauftreten von Hernien nach reinen Nahtverfahren untersucht.
Hierbei zeigte sich, dass es drei unterschiedliche Gruppen von Risikofaktoren gibt:
1: körper-eigene, innere  Faktoren wie familiäre Disposition, Bindegewebsschwäche (Krampfadern, Anaeurysma..),
2: körper-zugeführte, äussere Faktoren wie Nikotinkonsum und Übergewicht,
3: Hernien-spezifische, morphologische Risikofaktoren wie Bruchpfortenlokalisation – und Größe sowie die Faszienstabilität.

Aus all diesen Faktoren ergibt sich ein sogenannten individuelles Risikoprofil. Dieses ermöglicht eine Einschätzung der Netznotwendigkeit!
Dieser Entscheidungsprozeß wird auch „tailoring“ oder „Mass-Schneiderung“ genannt, eine risiko-adaptierte, individuelle angepasste Therapie der Hernie.

So lassen sich z.B. kleine Nabelhernien ohne begleitende Risikofaktoren mit sehr gutem Ergebniss auch mit reinen Nahtverfahren versorgen.
Auch kleine Leistenhernien werden nach Abwägung des individuellen Risikoprofils bei uns mit Nahtverfahren versorgt.

Braucht also jede Hernie eine Netz? Sicher nicht!

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